Stadt Memmingen:Unsere Projekte

Die Zwölf Bauernartikel

Die Zwölf Artikel gehören zu den Forderungen, die die Bauern im deutschen Bauernkrieg in Memmingen gegenüber dem Schwäbischen Bund erhoben. Sie gelten als die erste Niederschrift von Menschen- und Freiheitsrechten in Europa, und die zu den Zwölf Artikeln führenden Versammlungen gelten als erste verfassungsgebende Versammlung auf deutschem Boden.

In Erinnerung an die Zwölf Artikel wird seit dem Jahr 2005 der „Memminger Freiheitspreis 1525“ für Verdienste um Freiheit, Recht und Gerechtigkeit verliehen. Mehr über die Auszeichnung und die bisherigen Preisträger finden Sie unter: www.memmingen.de/freiheitspreis.html .

Die Zwölf Artikel im Wortlaut

  • Jede Gemeinde soll das Recht haben, ihren Pfarrer zu wählen und ihn zu entsetzen (abzusetzen), wenn er sich ungebührlich verhält. Der Pfarrer soll das Evangelium lauter und klar ohne allen menschlichen Zusatz predigen, da in der Schrift steht, dass wir allein durch den wahren Glauben zu Gott kommen können.
  • Von dem großen Zehnten sollen die Pfarrer besoldet werden. Ein etwaiger Überschuss soll für die Dorfarmut und die Entrichtung der Kriegssteuer verwandt werden. Der kleine Zehnt soll abgetan (aufgegeben) werden, da er von Menschen erdichtet ist, denn Gott der Herr hat das Vieh dem Menschen frei erschaffen.
  • Ist der Brauch bisher gewesen, dass man uns für Eigenleute (Leibeigene) gehalten hat, welches zu Erbarmen ist, angesehen dass uns Christus alle mit seinen kostbarlichen Blutvergießen erlöst und erkauft hat, den Hirten gleich wie den Höchsten, keinen ausgenommen. Darum erfindet sich mit der Schrift, dass wir frei sind und sein wollen.
  • Ist es unbrüderlich und dem Wort Gottes nicht gemäß, dass der arme Mann nicht Gewalt hat, Wildbret, Geflügel und Fische zu fangen. Denn als Gott der Herr den Menschen erschuf, hat er ihm Gewalt über alle Tiere, den Vogel in der Luft und den Fisch im Wasser gegeben.
  • Haben sich die Herrschaften die Hölzer (Wälder) alleine angeeignet. Wenn der arme Mann etwas bedarf, muss er es um das doppelte Geld kaufen. Es sollen daher alle Hölzer, die nicht erkauft sind (gemeint sind ehemalige Gemeindewälder, die sich viele Herrscher angeeignet hatten) der Gemeinde wieder heimfallen (zurückgegeben werden), damit jeder seinen Bedarf an Bau- und Brennholz daraus decken kann.
  • Soll man der Dienste (Frondienste) wegen, welche von Tag zu Tag gemehrt werden und täglich zunehmen, ein ziemliches Einsehen haben (sie ziemlich reduzieren), wie unsere Eltern gedient haben, allein nach Laut des Wortes Gottes.
  • Soll die Herrschaft den Bauern die Dienste nicht über das bei der Verleihung festgesetzte Maß hinaus erhöhen. (Eine Anhebung der Fron ohne Vereinbarung war durchaus üblich.)
  • Können viele Güter die Pachtabgabe nicht ertragen. Ehrbare Leute sollen diese Güter besichtigen und die Gült nach Billigkeit neu festsetzen, damit der Bauer seine Arbeit nicht umsonst tue, denn ein jeglicher Tagwerker ist seines Lohnes würdig.
  • Werden der große Frevel (Gerichtsbußen) wegen stets neue Satzungen gemacht. Man straft nicht nach Gestalt der Sache, sondern nach Belieben (Erhöhungen von Strafen und Willkür bei der Verurteilung waren üblich). Ist unsere Meinung, uns bei alter geschriebener Strafe zu strafen, darnach die Sache gehandelt ist, und nicht nach Gunst.
  • Haben etliche sich Wiesen und Äcker, die einer Gemeinde zugehören (Gemeindeland, das ursprünglich allen Mitgliedern zur Verfügung stand), angeeignet. Die wollen wir wieder zu unseren gemeinen Händen nehmen.
  • Soll der Todfall (eine Art Erbschaftssteuer) ganz und gar abgetan werden, und nimmermehr sollen Witwen und Waisen also schändlich wider Gott und Ehre beraubt werden.
  • Ist unser Beschluss und endliche Meinung, wenn einer oder mehr der hier gestellten Artikel dem Worte Gottes nicht gemäß wären …, von denen wollen wir abstehen, wenn man es uns auf Grund der Schrift erklärt. Wenn man uns schon etliche Artikel jetzt zuließe und es befände sich hernach, dass sie Unrecht wären, so sollen sie von Stund an tot und ab sein. Desgleichen wollen wir uns aber auch vorbehalten haben, wenn man in der Schrift noch mehr Artikel fände, die wider Gott und eine Beschwernis des Nächsten wären.
  • Bauernartikel.pdf Mehr Informationen zu den Bauernartikeln finden Sie in dieser Broschüre der Stadt Memmingen.

He Fräulein! - In Fakten und Bildern zur Frauengeschichte

Vom „Fräulein“ und „Heimchen am Herd“ zur „modernen Frau“ und „Familienmanagerin“ – so wird die Entwicklung des Frauenlebens geradlinig gedeutet. Die Geschichte der weiblichen Bestimmung oder Selbstbestimmung verlief jedoch keineswegs direkt in Chancengleichheit und Freiheit für Frauen und Familien.

Noch 1900 galt: „Dem Manne steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu.“ (BGB). Erst seit 1969 sind verheiratete Frauen juristisch als geschäftsfähig anerkannt. Die gesellschaftlichen Grundlagen und rechtlichen Fakten, die seither geschaffen wurden, erscheinen heute selbstverständlich.

Die Ausstellung im ehemaligen Kinosaal bietet interessante und unterhaltsame Einblicke in die Frauengeschichte und zeigt deren Entwicklung im Zeitraffer. Anhand von Attributen der Frauenrollen – Betbank und Bikini, Schulranzen und Schürze, Wahlschein und Waschmaschine – werden Pflichten und Rechte aufgezeigt. Historische Fotografien aus Memmingen machen einstiges Frauenleben anschaulich, darunter Mode, Beruf, Häuslichkeit, Jugend und Mutterschaft.

„He, Fräulein!“ ist eines der 12 Teilprojekte von „Zeitmaschine Freiheit“, dem zweijährigen Projekt zur Initiierung neuer Partnerschaften für das Stadtmuseum Memmingen, gefördert durch den Fonds „Stadtgefährten“ der Kulturstiftung des Bundes.

Eine Ausstellung des Stadtmuseums Memmingen in Zusammenarbeit mit der Frauengeschichtswerkstatt Memmingen e.V., dem Frauennetzwerk Memmingen e.V. und der Frauen- und Gleichstellungsbeauf-tragten Memmingen als Teil des Projekts „Zeitmaschine Freiheit“.

09.12.2016 – 08.03.2017, im ehemaligen Union-Kino, Maximilianstraße 23, 87700 Memmingen, Eintritt frei.

'Freiheit, die ich meine ...'

Wer den Begriff der Freiheit im Munde führt, muss sich auch immer wieder die Frage stellen, wo diese endet. Und die Antworten dazu sind im Fluss. Sie bleiben eine politische und gesellschaftliche Aufgabe, die sich von den Memminger Zwölf Artikeln bis zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland zieht, und darüber hinaus.

Der Wunsch, durch solche bindenden Formulierungen kontinuierlich friedvolle Gemeinschaften zu ermöglichen, ist verständlich. Gleichzeitig sind sie kulturelle Errungenschaften, die Leitbilder werden für unser Verständnis von Zusammenhalt und Miteinander. Wenn dieses Zusammenleben Probleme bereitet, wird die „Kultur“ beschworen. Offen bleibt, ob dieser Ruf der Freiheit dient, oder der Abgrenzung. Vor diesem Hintergrund stellt die MEWO Kunsthalle die Frage:

Was bedeutet Freiheit heute für Künstlerinnen und Künstler?

Die Werke der beteiligten Künstler, darunter Wolfgang Tillmanns und Cornelia Renz, sind dabei so vielfältig wie vielschichtig. Manche sind offensichtlich politische Äußerungen, andere beziehen sich auf die Möglichkeiten des künstlerischen Schaffens als einer von Zwängen befreiten Tätigkeit.

Libia Castro & Ólafur Ólafson, Illusion Woman (Study I), 2016, video, 14’15Libia Castro & Ólafur Ólafson, Illusion Woman (Study I), 2016, video, 14’15"

›Freiheit, die ich meine …‹ ist die erste Ausstellung der MEWO Kunsthalle im Rahmen der »Zeitmaschine Freiheit« des Stadtmuseums Memmingen. Eine zweite Ausstellung folgt im Frühjahr 2018. 

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler

Libia Castro & Ólafur Ólafson, Yvon Chabrowski, Daniel Gustav Cramer, Hannes Egger, Famed, Sebastian Hammwöhner, Kathrin Heichel, Sven Johne, Jana Müller & Wiebke Elzel, Julia Pfeiffer, Jochen Plogsties, Cornelia Renz, Martin G. Schmid, Stephan A. Schmidt, Andrzej Steinbach, Wolfgang Tillmans, Gabriel Vormstein und Matthias Wermke & Mischa Leinkauf

time machine landed

Ein künstlerisches Begegnungsexperiment zwischen Zukunfts- und Vergangenheits-Matrix beginnt. | Raum-Zeit-Werke im Banne der time machine, deren Landung in der Neuen Welt vorausgesagt wurde. | Parallele Universen und Alternativweltgeschichten nehmen immaterielle und materielle Gestalt an. | time pony nimmt seinen Lauf und verschiebt Zeit und Raum mit Horses While You Work.

WIR BAUEN UNS EINE ZEITMASCHINE – THE TIME MACHINE LANDED

Eine Zeitmaschine reist nicht nur durch die Zeit, transportiert Dinge und Menschen, sie wirft auch Fragen auf. Wie frei sind wir in der Zeit? Kann ein Mensch sein Schicksal selbst bestimmen. Ist die Zukunft beeinflussbar und die Vergangenheit veränderbar? Was tun wir damit? Zeitmaschinen sind Ausgangspunkte für alternative Weltgeschichte. Ein Zeitreisender ändert die Vergangenheit, die Geschichte entwickelt sich anders als überliefert, und eine parallele Realität entsteht. Utopien. Verlassene Orte, zurückgelassen in der Zeit. Das Projekt Zeitmaschine Freiheit lädt in der Neuen Welt zu Gedanken- und Begegnungsexperimenten ein, rund um das Reisen zwischen Zeit und Raum.

Die Künstler Alexandra Vogt und Jörg Hartmann gestalten mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten aus dem Bunten Haus einen mobilen Ausstellungskubus zur Zeitmaschine um. Der Auftakt im Juli 2016 beim Fest der Kulturen der Kolpingakademie bot als Videoinstallation „Aber was Zeit betrifft sind wie Gefangene“ einen Vorgeschmack auf die Infragestellung der Unveränderbarkeit von Zeit und Raum. Im Laufe des Jahres legten gemeinsame Treffen zwischen den Künstlern und den Jugendlichen die weitere Basis für das Projekt. Materielle und immaterielle Gestalt nimmt das Thema zur Zeit in der Neuen Welt an und wird zur Irritation im gewohnten und erwarteten Umfeld.

Am 11. Mai feierte die Zeitmaschine Freiheit die Landung der „time machine“ in der Neuen Welt mit einem Eröffnungsfest. Bis zum 15.7. bleibt die „time machine“ in der Neuen Welt und lädt die Besucher ein, jederzeit Teil des künstlerischen Begegnungsexperimentes zwischen Vergangenheit und Zukunft zu werden.

Mit: Alexandra Vogt, Kammlach, Jörg Hartmann, Pless, geflüchteten Jugendlichen, buntes Haus u.a.

Überall barrierefrei

Das Stadtmuseum „überall barrierefrei“ im Stadtraum

Zu den Besuchern des Stadtmuseums im Hermansbau zählen Einheimische und Fremde von jung bis alt. Nicht jedem Besucher fällt es gleichermaßen leicht, die Exponate anzuschauen und die Inhalte zu erkunden. Es gibt viele Treppen und keinen Lift; das Stadtmuseum Memmingen hat viele Hürden. Und Texte in Museen sind oft für ein Fachpublikum formuliert.

Mit dem Projekt Zeitmaschine Freiheit wird das Stadtmuseum barrierefrei in die Stadt gebracht und der Zugang zur Stadtgeschichte erleichtert. Die Aktion „überall barrierefrei“ wurde vom Stadtmuseum Memmingen und dem Familienentlastenden Dienst der Lebenshilfe Memmingen e.V. ins Leben gerufen und gemeinsam mit den Unterallgäuer Werkstätten (UAW) entworfen und umgesetzt.

Freiheitsweg

Der Stadtrundgang „Freiheitsweg“ bringt Stadtgeschichte und Ausstellungsstücke an ihren Ursprungsort zurück. An 12 Stationen vermittelt er historisches und interessantes zu den Zwölf Memminger Bauernartikeln und der Freiheitsgeschichte der Stadt. Die Texte der Stationen sind in einfacher Sprache verfasst, um weitere Barrieren abzubauen. Er wird im Mai eröffnet und lässt sich mithilfe unseres Flyers selbsterkunden.

Lieblingswahrzeichen und Lieblingsorte

Die Stadtrundgänge „Lieblingswahrzeichen“ und „Lieblingsorte“ laden dazu ein, gewohnte Orte durch die Augen und Ohren von Menschen mit Behinderung neu zu entdecken. Die Zeitungsgruppe der UAW hat ihre Lieblingsplätze in der Stadt ausgesucht und zeigt sie interessierten Menschen bei zwei öffentlichen Führungen im Juni.

Mit Flyer selbst entdecken

  • Flyer zur Aktion „überall barrierefrei“ In dem Flyer zur Aktion „überall barrierefrei“ sind alle Lieblingswahrzeichen, Lieblingsorte und die 12 Stationen des Freiheitswegs eingezeichnet. Auch der Flyer ist in einfacher Sprache geschrieben. Das hilft Menschen mit Behinderungen, Menschen, die nicht gut sehen oder nicht gut lesen können und auch Menschen aus anderen Ländern, z.B. Touristen, Memmingen und die Memminger Freiheitsgeschichte zu erkunden.

Schöne Neue Welt!

Eingeladen vom STadtmuseum Memmingen geht Das Landestheater Schwaben der Frage nach Freiheit und Utopie auf den Grund

In vier theatralen Spaziergängen durch den Stadtpark Neue Welt verschieben Ensemblemitglieder, Mitglieder der Bürgerbühne und weitere Interessierte mit Elementen des Theaters - wie Texten, Installationen und Handlungen - die Wahrnehmung der Besucher. Das Leitungsteam des Theaters führt die Zuschauer in kleinen Gruppen durch den Park, in dem sich unterschiedliche Stationen befinden. So wird die Neue Welt zum künstlerischen Bühnenraum und kann einmal ganz anders erlebt werden: voller Utopien, Dystopien, Wünschen, Hoffnungen, Sehnsüchten und Ängsten.

  • Landestheater & Freunde
  • Leitung: Oliver D. Endreß
  • Dramaturgie: Anne Verena Freybott 

Die Spaziergänge klingen an der time machine aus, mit Musik von Michel Baur und Tarik und Getränken vom Künstlercafè. 

Ankommen in der neuen Heimat

Nachkriegszeit in Memmingen: Die Schrecken des Krieges wirkten nach. Viele Soldaten blieben vermisst oder in Kriegsgefangenschaft. Der Alltag in der von Amerikanern besetzten Stadt war geprägt von Mangel an Nahrungsmitteln und an Arbeitsstellen.1946 begann der große Zustrom der heimatvertriebenen Menschen aus den deutschen Ostgebieten. Allein aus dem Sudetenland wurden etwa 3 Millionen Menschen ausgewiesen, die zu einem großen Teil nach Bayern transportiert wurden. In Memmingen kamen innerhalb kurzer Zeit 6.543 Menschen an und wurden einquartiert – unter schwierigsten Bedingungen. Die Stadt (Einwohnerzahl 1939: 16.346) vermehrte ihre Bevölkerung schlagartig um 40 Prozent. Die Ankunft der Sudetendeutschen in der neuen Heimat liegt 70 Jahre zurück, zeigt aber Wirkung ins Heute.

Zeitzeugenberichte im Film  und in persönlichen Erinnerungsstücken

Die Ausstellung im Stadtmuseum Memmingen stellt zwölf Zeitzeugen/innen der Betroffenen- und der Bewusstseins-Generation vor, im Alter zwischen 19 und 94 Jahren. Ihre Geschichten aus erster oder zweiter Hand beleuchten die „Willkommenskultur 1946“, diese schwankte zwischen Diskriminierung und nachhaltigen Überlebens- und Aufbauhilfen. Ein Aspekt ist die Unterbringung in Zwischenlagern, wie der „Burg“ oder der Barackensiedlung für 2.000 Menschen auf dem „Hühnerberg“. Die neuere Stadtgeschichte, die bauliche Entwicklung und die Stärkung durch Arbeitskräfte und Betriebe hängen eng mit den heimatvertriebenen Familien und Persönlichkeiten zusammen. Unterschiedliche Lebenswege stehen für die Unmöglichkeit oder Möglichkeiten von Freiheit.

Erinnerungscafé mit der Kuratorin Ursula Winkler im Stadtmuseum

Die Ausstellung lädt ausdrücklich dazu ein, eigene Erinnerungen oder Erfahrungen mitzuteilen – sei es aus Sicht der Ankömmlinge oder aus Sicht der Aufnehmenden. In der Ausstellung gibt es dazu eine Kommentar-Wand. An drei Terminen lädt die Kuratorin alle Interessierten zu einem Erinnerungscafé. 

Zeitmaschine und historischer Rundgang AM Hühnerberg

Am 28.07. landet die „Zeitmaschine“ am Hühnerberg. Der Stadtteil hat eine besondere Geschichte, die nicht nur von Flucht und Vertreibung gekennzeichnet ist. Mit dem Rundgang „Erinnerungsort Hühnerberg“ erinnert der Historische Verein an die Geschichte des Hühnerbergs. Der Rundgang beginnt am Aussichts-/Bismarckturm von 1904/08. Mit dem Bau einer SA-Schule 1933 schließt sich ein düsteres Kapitel an. In den Baracken „des Stalag“ waren ab 1940 mehr als 2000 Kriegsgefangene untergebracht. Gleichzeitig war hier die Befehlsstelle für mehr als 20.000 Zwangsarbeiter. Mit der Unterbringung von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen begann ab 1946 das prägendste Kapitel der Stadtteilgeschichte. Die „Zeitmaschine“ beschäftigt sich mit dem Thema Flucht und zwar mit der von heute. Die Installation ist von den Künstlern Alexandra Vogt und Jörg Hartmann. Mit minderjährigen Geflüchteten haben sie sich mit dem Thema neue Heimat auseinandergesetzt und spiegeln dieses im wahrsten Sinne des Wortes. 

Wer gestaltet unsere Stadt?

Ausstellungen - Vorträge - Führungen
In Kooperation mit dem Architekturforum Allgäu e.V.

Im März 1525 verfassten Vertreter der Oberschwäbischen Bauernhaufen in Memmingen die `Zwölf Artikel`, in denen grundlegende Forderungen zu Freiheit und Menschenrechten festgehalten wurden. Die `Zwölf Artikel` fanden Ihren Niederschlag u. a. in der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung oder während der Französischen Revolution und sind daher historisch nicht hoch genug einzuschätzen.

Fast fünf Jahrhunderte später geht das Stadtmuseum Memmingen mit seinem Projekt Zeitmaschine Freiheit in Kooperation mit dem architekturforum allgäu der Frage nach, welche Bedeutung das Grundrecht `(…) dass wir frei sind und sein wollen` für die Gestaltung der Stadt in unserer Zeit hat. Stadtgestaltung war und ist immer direktes Abbild der gesellschaftlichen Verhältnisse einer Epoche.

Anhand von Ausstellungen, Vorträgen, Führungen und mittels eines vielfältigen Rahmenprogramms wird ausgelotet, welche gebaute Umwelt nicht nur für die Stadt Memmingen Lebensqualität bedeutet und in welchen Bereichen noch Handlungsbedarf besteht hinsichtlich der Entwicklung von Zukunftsperspektiven für alle Bevölkerungsgruppen.

Traumstadt Memmingen?
„Wer gestaltet unsere Stadt? – Ich gestalte meine Stadt.“

Das Projekt Zeitmaschine Freiheit sucht den Dialog mit der Stadtbevölkerung. Es wird den Themen Architektur und Freiheit – Bauen und Freiheit – Stadtgestaltung und Freiheit nachgespürt. Die Memmingerinnen und Memminger sind gefragt! Die Zeitmaschine verweilt deshalb über die gesamte Ausstellungszeit auf der Wiese vor der Martinskirche. Unter dem Motto: „Wer gestaltet unsere Stadt? – Ich gestalte meine Stadt.“ lädt die Zeitmaschine als Kommunikations- und Aktionsort zum Austausch ein. Bringen Sie uns Ihre Ideen, Wünsche und Anregungen. Gestalten Sie Ihr Memmingen mit uns.

Ausstellungen

  • Zwölf Zitate zur Freiheit in der Architektur
    Ein Diskurs unterschiedlicher Haltungen – vom 16. Jahrhundert bis heute.
  • Lieblingshäuser und Orte
    Architekten präsentieren Ihre Lieblingshäuser und -orte aus dem Stadtgebiet Memmingen, sowohl eine eigene Entwurfsplanung als auch die Werke anderer Architekten oder anonyme Architektur.
  • Idealstadt und Utopie – Stadtkonzepte des beginnenden 20. Jahrhunderts
    Kuratorin: Amelie Mussack
  • Baukulturgemeinde-Preis Allgäu 2016
    Mit 4 Auszeichnungen und 3 Nominierungen,
    Auszeichnung Innenstadtentwicklung für Memmingen

Eine Initiative von LandLuft Verein zur Förderung von Baukultur in ländlichen Räumen in Kooperation mit dem architekturforum allgäu e.V.

Die Gedanken sind Frei! Glaubensfreiheit in Memmingen

Für ihre letzte Themenausstellung nimmt sich die Zeitmaschine Freiheit im Stadtmuseum Memmingen die „Religionsfreiheit“ vor. Das deutsche Grundgesetz, Artikel 4, schützt das persönliche Recht auf Glaubensüberzeugung und -ausübung. Es stellen sich 12 Religionen und Glaubensgemeinschaften vor. Diese Gemeinschaftsausstellung zeigt die spirituelle Vielfalt, die in Memmingen zum heutigen Leben gehört.

Die letzte Themenausstellung von Zeitmaschine Freiheit im Stadtmuseum betrachtet die „Religionsfreiheit“. Das deutsche Grundgesetz, Artikel 4, schützt das persönliche Recht auf persönliche Glaubensüberzeugung und Glaubensausübung: "Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet."

Es stellen sich 12 Konfessionen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften vor, die in Memmingen bestehen oder in der Geschichte Bestand und Bedeutung hatten. Menschen verschiedener Glaubensrichtungen beteiligen sich: Protestanten, Freikirchliche, Katholiken, Reform-Katholiken, Muslime, Aleviten, Buddhisten, syrisch-orthodoxe Christen, Zeugen Jehovas, Neu-Apostolische, Siebenten-Tags-Adventisten, Repräsentanten des Judentums ...

Die Auswahl hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und die Reihenfolge der Nennung stellt keine Wertung dar. Die Ausstellung beschreibt die Glaubensrichtungen und -haltungen, unabhängig von der Zahl der Gläubigen oder der Dauer der Tradition in Memmingen, als gleichberechtigte Gruppierungen, geschützt durch das Grundgesetz. Die Angehörigen sind eingeladen, ihre Religion oder Weltanschauung im Allgemeinen und in der Ausübung vor Ort darzustellen – in Texten und Bildern.

Diese Gemeinschaftsausstellung zeigt die spirituelle Vielfalt und den rituellen Reichtum, wie sie in einer Stadt wie Memmingen zum heutigen Leben gehören. Grundlage des städtischen Miteinanders sind Kenntnisse über und Toleranz für die Gläubigen. Die Bürgerinnen und Bürger können sich in der Ausstellung informieren und ins Gespräch kommen. Die „Zeitmaschine“ dient am Martin-Luther-Platz als Ort für Kommunikation und Austausch. Ein umfangreiches Begleitprogramm bietet weitere Möglichkeiten der Teilnahme.

Die „Religionsfreiheit“ als Grund- und Menschenrecht beinhaltet auch das Recht, keiner Religion anzugehören. Dabei kann die Haltung atheistisch, nicht-an-einen-Gott-glaubend, sein oder agnostisch, grundsätzlich Göttlichkeits-kritisch. Die Ausstellung zeigt auch Aspekte der Säkularisation, der Aufgabe des Gottglaubens, aufgezwungen oder freiwillig, in der neueren Geschichte und als Charakteristikum der westlichen Welt.

Zwei Kunstbeiträge ergänzen und vertiefen die Schau. Die Fotografin Alexandra Vogt, Kammlach, begab sich in die Welt einer Einsiedelei im Unterallgäu. Ihre Aufnahmen zeigen einen religiös motivierten Kosmos aus Marienverehrung und Weltentsagung im Wald. Andreas Duscha, Wien, besuchte die Gebetsräume oder Interfaith Chapels an Flughäfen in aller Welt. Obwohl diese Räume funktional und neutral gestaltet sind, gelang es dem Künstler, mit seinen Aufnahmen deren besondere Atmosphäre und Ruhe aufzuspüren. Die Fotografien von Andreas Duscha führen vor Augen, dass die religiöse Praxis Teil der modernen, mobilen und multispirituellen Weltgesellschaft ist. Der gemeinsame internationale Gebetsraum ist ein Symbol für das menschliche Bedürfnis an Religion und für das Gelingen gegenseitiger Toleranz.       

Der Projektpartner „die Kursonauten“ hat für die Ausstellung nicht nur ein breites kulturpädagogisches Programm geschaffen, das Kindern und Jugendlichen Memmingen und seine Religionen näherbringt, sondern auch einen interreligiösen Raum für das Stadtmuseum.

Die Ausstellung „Die Gedanken sind frei. Glaubensfreiheit in Memmingen“ wird gefördert im Fonds Stadtgefährten der Kulturstiftung des Bundes im Rahmen des Projekts „Zeitmaschine Freiheit“. Sie ist im Stadtmuseum vom 13. Mai bis 8. Juli 2018 zu sehen.

Zeitmaschine Freiheit revisited - Die Rückkehr der Zeitmaschine

Nach der Winterpause kommt die Zeitmaschine mit drei großen Ausstellungen zurück und eine davon ist schon die letzte große Schau. Zeitmaschine Freiheit revisited - die Rückkehr der Zeitmaschine ist ein Rückblick auf zwei Jahren Projektzeit. Es entstanden mit verschiedenen Partnern 12 Teilprojekte, die nun an 12 Stationen in der Memminger Innenstadt (wieder) besucht werden können und damit geht auch diese Zeitreise zu Ende.

Die zweijährige Reise der „Zeitmaschine Freiheit“ durch Memmingen und seine Geschichte, neigt sich ihrem Ende entgegen.  Die Ausstellung „Zeitmaschine Freiheit Revisited - Die Rückkehr der Zeitmaschine“ bietet einen Überblick über die vielfältigen Ausstellungen und Aktionen des Projekts. Dieses begleitete, gefördert im Fonds Stadtgefährten der Kulturstiftung des Bundes, das Stadtmuseum Memmingen bei der Findung neuer Partnerschaften.

Die Freiheit hat in Memmingen eine ganz eigene Geschichte, die während der Bauernkriege begonnen hatte. Im Jahre 1525 entstanden die 12 Bauernartikel. Dieses Dokument gilt als eine der europaweit ersten Niederschriften von Menschen- und Freiheitsrechten. Vor diesem historischen Hintergrund machte sich das Projekt „Zeitmaschine Freiheit“ auf die Suche nach Partnern, die bereit waren, Freiheitsthemen gemeinsam aufzuarbeiten.

So entstanden mit verschiedenen Partnern 12 Teilprojekte, die an 12 Stationen in der Memminger Innenstadt (wieder)besucht werden können.

Der Ausstellungsweg führt vom Martin-Luther-Platz über das Stadtmuseum bis zur MEWO-Kunsthalle und verbindet so die beiden Ausstellungshäuser.  Im Stadtmuseum werden aktuell zwei Ausstellungen des Projekts „Zeitmaschine Freiheit“ gezeigt: „Die Gedanken sind frei – Glaubensfreiheit in Memmingen“ und „Zeitmaschine Freiheit Revisited – Die Rückkehr der Zeitmaschine“.    Die MEWO-Kunsthalle zeigt die Ausstellung: „Hannes Egger: Freiheit, die ich meine…“.

Auf dem Weg zwischen Stadtmuseum und MEWO-Kunsthalle kann man an 12 Stationen die Historie des Projekts von der Entstehung der Zeitmaschine (time machine / under construction), über ihre Landung, bis zum „Ankommen in der neuen Heimat“ erleben. Dort werden Projektergebnisse und Ausstellungsrückblicke präsentiert. „Die Rückkehr der Zeitmaschine“ hat ein fulminantes Begleitprogramm im Gepäck, mit dem sich die Zeitmaschine verabschiedet. Es waren spannende zwei Jahre. Wir bedanken uns bei allen Partnern, Unterstützern und Besuchern der Zeitmaschine für die gemeinsam durchgeführten und erlebten Aktionen.